International Accreditation Forum (IAF)

Rückblick auf eine Organisation, die es seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr gibt – und was heute an ihre Stelle getreten ist.
Das International Accreditation Forum, «IAF» genannt – war der weltweite Dachverband der nationalen Akkreditierungsstellen im Bereich der Konformitätsbewertung. Es wurde im April 1993 in Genf gegründet, als sich Akkreditierungsstellen aus mehreren Ländern zusammenfanden, um ein gemeinsames Verständnis für die Begutachtung von Zertifizierungsstellen zu entwickeln.
Das IAF zertifizierte selbst niemanden und akkreditierte auch keine Zertifizierungsstellen. Seine Aufgabe war eine andere: Es stellte sicher, dass eine Akkreditierung weltweit denselben Wert hatte und dass ein Zertifikat deshalb Grenzen überschreiten konnte, ohne erneut geprüft werden zu müssen.

Das Wichtigste in Kürze

Das International Accreditation Forum (IAF) war von 1993 bis Ende 2025 der weltweite Zusammenschluss der Akkreditierungsstellen für Zertifizierungs- und Verifizierungstätigkeiten – unter anderem für ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001 und ISO/IEC 27001.

Seine zentrale Leistung war das Multilaterale Anerkennungsabkommen (IAF MLA): Es sorgte dafür, dass ein in der Schweiz akkreditiert ausgestelltes Zertifikat weltweit anerkannt wurde – «once certified, accepted everywhere».

Zum 1. Januar 2026 sind das IAF und die Laborseite ILAC in einer einzigen Organisation aufgegangen: Global Accreditation Cooperation Incorporated, kurz Global ACI.

Für Zertifikatsinhaber ändert sich inhaltlich nichts. Normen, Akkreditierungen und Auditzyklen gelten unverändert weiter. Nur die Bezeichnungen und Bildmarken werden über eine mehrjährige Übergangsfrist angepasst.

Die Aufgaben des IAF

Als Dachorganisation der Akkreditierungsstellen gab es die folgenden Aufgaben zu erledigen:

Das Multilaterale Anerkennungsabkommen (IAF MLA)

Das Herzstück der IAF-Arbeit war das Multilateral Recognition Arrangement, kurz MLA. Wer diesem Abkommen beitrat, verpflichtete sich, die Akkreditierungen der übrigen Unterzeichner als gleichwertig anzuerkennen. Das erste MLA für Qualitätsmanagementsysteme wurde im Januar 1998 in Guangzhou von vierzehn Akkreditierungsstellen unterzeichnet.
In den Jahren danach wurde der Geltungsbereich schrittweise erweitert. 2004 in Kapstadt um Umweltmanagementsysteme nach ISO 14001, später um Produktzertifizierung, Personenzertifizierung sowie Validierung und Verifizierung, etwa im Bereich der Treibhausgasbilanzierung. Bis Ende der 2010er-Jahre waren rund neunzig Volkswirtschaften über ihre Akkreditierungsstellen eingebunden.
Der praktische Nutzen für Unternehmen lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ein Zulieferer musste sein ISO-9001-Zertifikat nicht erneut prüfen lassen, um bei einem Kunden im Ausland als geprüft zu gelten. Das MLA war damit weit mehr als ein Verwaltungsakt, es war ein handelserleichterndes Instrument.

Gegenseitige Begutachtung (Peer Evaluation)

Ein Abkommen ist nur so viel wert wie seine Kontrolle. Deshalb liess sich jede Akkreditierungsstelle regelmässig von einem internationalen Team aus Fachleuten anderer Akkreditierungsstellen begutachten. Diese Peer Evaluations wurden über die regionalen Kooperationen organisiert. In Europa über die European Accreditation (EA), daneben über APAC im asiatisch-pazifischen Raum, IAAC in Amerika, AFRAC und SADCA in Afrika sowie ARAC im arabischen Raum. Nur wer diese Begutachtung bestand, blieb MLA-Unterzeichner.

Normative und erläuternde Dokumente

Das IAF veröffentlichte eine umfangreiche Dokumentenreihe, die für Akkreditierungs- und Zertifizierungsstellen verbindlich oder empfehlend war. Die bekanntesten Kategorien waren:

IAF MD (Mandatory Documents) – verbindliche Dokumente, die festlegten, wie eine Norm im Akkreditierungsalltag anzuwenden war, etwa zur Berechnung von Auditzeiten oder zum Umgang mit Mehrstandort-Zertifizierungen.

IAF ID (Informative Documents) – Informative Dokumente mit Erläuterungen und guter Praxis.

IAF PL und IAF PR – Verfahrensregeln für die Arbeit des Forums selbst und für Übergangsfristen bei Normrevisionen.

Diese Dokumente prägten den Alltag jedes Auditprogramms weit stärker, als es Unternehmen bewusst war: Wenn Ihre Zertifizierungsstelle Ihnen erklärte, wie viele Audittage für Ihre Organisation vorgesehen sind, lag dahinter in aller Regel ein IAF-Mandatory-Document.

Übergangsregelungen bei Normrevisionen

Wird eine Norm überarbeitet, braucht es weltweit einheitliche Fristen für die Umstellung bestehender Zertifikate. Das IAF legte diese Übergangsfristen gemeinsam mit ISO fest und kommunizierte sie über sogenannte Transition Statements. Ohne diese Koordination hätte jedes Land eigene Fristen gesetzt, mit entsprechendem Chaos für international tätige Unternehmen.

Transparenz über die IAF-Zertifikatsdatenbank

Mit der Datenbank «IAF CertSearch» schuf das Forum ein zentrales Verzeichnis akkreditierter Zertifikate. Einkäufer, Behörden und Geschäftspartner konnten damit prüfen, ob ein vorgelegtes Zertifikat tatsächlich existiert und gültig ist. Der Hintergrund war ein reales Problem: gefälschte oder von nicht akkreditierten Stellen ausgestellte Zertifikate, die im internationalen Beschaffungswesen immer wieder auftauchten.

Zusammenarbeit mit ISO und weiteren Organisationen

Das IAF arbeitete eng mit ISO und dessen Komitee für Konformitätsbewertung (ISO/CASCO) zusammen, ebenso mit der ILAC auf der Laborseite sowie mit Branchenprogrammen. Diese Zusammenarbeit stellte sicher, dass eine Norm nicht nur geschrieben, sondern auch weltweit gleich ausgelegt und begutachtet wurde.

Weshalb es das IAF nicht mehr gibt

Über Jahrzehnte bestanden zwei internationale Dachorganisationen nebeneinander: das IAF für Zertifizierungs-, Inspektions- und Verifizierungstätigkeiten und die ILAC (International Laboratory Accreditation Cooperation) für Prüf- und Kalibrierlaboratorien, Inspektionsstellen und verwandte Bereiche. Beide hatten weitgehend dieselben Mitglieder, führten getrennte Anerkennungsabkommen, getrennte Generalversammlungen und teils parallele Gremien.
Diese Doppelstruktur war historisch gewachsen und zunehmend schwer zu begründen. Ziel des Zusammenschlusses war deshalb, Doppelspurigkeiten abzubauen, ein einziges Anerkennungsabkommen für alle Konformitätsbewertungstätigkeiten zu schaffen, die Auslegungspraxis zu harmonisieren und der Akkreditierung gegenüber Regulatoren und Märkten eine gemeinsame Stimme zu geben.

Die Umsetzung erfolgte über mehrere Jahre:

NormFokus
April 1993Gründung des International Accreditation Forum in Genf.
Januar 1998Erstes MLA für Qualitätsmanagementsysteme, unterzeichnet in Guangzhou.
Oktober 2004Erweiterung des MLA auf Umweltmanagementsysteme (Kapstadt).
2019Grundsatzentscheid der Mitglieder, IAF und ILAC zusammenzuführen.
Oktober 2024Formelle Zustimmung der Mitgliederversammlungen zum Zusammenschluss.
Dezember 2024Rechtliche Eintragung der neuen Organisation in Neuseeland
Oktober 2025Letzte Generalversammlungen von IAF und ILAC in Bangkok; Übertragung der Bildmarken.
Januar 2026Global ACI nimmt den Betrieb auf – IAF und ILAC stellen ihre Tätigkeit ein.
April 2026Vorstellung von Kurzname und Logo «Global ACI».
ab April 2026Erste gemeinsame Sitzungen der Fachkomitees in Prag
Oktober 2026An der Generalversammlung wird über die Einführung der neuen MRA-Bildmarke entschieden.

Zertifizierung

Für die zertifizierten Organisationen entsteht kein Handlungsbedarf.
Die Verwendung der Bildmarken ist den Zertifizierungsstellen vorbehalten.

Was unverändert bleibt

Auf die der Zertifizierung zugrundeliegenden Normen hat die IAF keinen direkten Einfluss. Es ändert sich an diesen Anforderungen nichts.
(ISO/IEC 17021-1, ISO/IEC 17065, ISO/IEC 17024, ISO/IEC 17029, ISO/IEC 17025, ISO 15189)

Zertifikate, die vor dem 1. Januar 2026 ausgestellt wurden, bleiben gültig und international anerkannt.

Auditzyklen, Überwachungsaudits und Rezertifizierungen laufen unverändert weiter.
Ihre Zertifizierungsstelle und Ihre Akkreditierungsstelle bleiben dieselben.

Die bisherigen Bildmarken IAF MLA und ILAC MRA behalten während der Übergangszeit ihre Gültigkeit und gelten als gleichwertig zur künftigen Global-ACI-Marke.

Was sich ändert

Die Bezeichnung «IAF MLA» wird mittelfristig durch «Global ACI MRA» ersetzt.

Eine neue gemeinsame Bildmarke wird eingeführt, sobald sie in der jeweiligen Volkswirtschaft registriert und freigegeben ist.

Für den Auslauf der bisherigen Marken ist ein Zeitraum von rund drei Jahren vorgesehen; als Richtwert wird derzeit der 1. Januar 2029 genannt, eine Verlängerung ist bei Bedarf möglich.

Verweise auf das IAF in Ihren eigenen Unterlagen – Managementhandbuch, Website, Angebotsvorlagen, Lieferantenfragebogen – sollten bei der nächsten Überarbeitung angepasst werden.

Wichtig

Ändern Sie die Akkreditierungs- und Anerkennungszeichen auf Zertifikaten, Prüfberichten oder Werbematerial nicht von sich aus. Ihre Zertifizierungs- beziehungsweise Akkreditierungsstelle teilt Ihnen mit, ab wann und in welcher Form die neue Marke zu verwenden ist.

Jede Aussage zur Akkreditierung muss klar, zutreffend und nicht irreführend sein und darf sich nur auf den tatsächlich akkreditierten Geltungsbereich beziehen. Diese Grundregel gilt unter Global ACI unverändert weiter.

FAQ

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